Kameras und Objektive

Digitale Spiegelreflexkamera als Lochkamera

05. August 2009 - 3:29 pm

1 sek, iso 100 Die sommerliche Muße  gebiert die seltsamsten Einfälle.

Eine Lochkamera muss her,  ist sie doch der simpelste aller Fotoapparate.
Das Motto lautet: Back to the roots. Fort mit dem ganzen Linsenkram!

Der Apparat besteht lediglich aus einem dunklen Kasten (camera obscura)  mit einem sehr kleinen Loch (Blende) an der Vorderseite. Durch das einfallende Licht entsteht auf der Rückseite ein reelles Bild, das auf Fotopapier (analog) oder durch den Sensor einer Digitalkamera festgehalten werden kann.

Auf die Lochkamera kam ich, als ich kürzlich auf einem Flohmarkt in Esslingen (Neckar) unterwegs war.  Dort lernte ich nämlich Przemek Zajfert kennen, einen Künstler, der sich unter anderem auf Lichtinstallationen und die Arbeit mit Lochkameras spezialisiert hat.

Die mit dieser einfachen Technik verknüpfte enorme Schärfentiefe und die extrem langen Belichtungszeiten zaubern eine ganz besondere, unverwechselbare Stimmung in die analogenen Schwarzweißaufnahmen.

Ein Besuch auf Zajferts Webseiten lohnt sich unbedingt:

Zurück zu unserem Bastelprojekt:

Als ungeduldiger Digitalfotograf kam mir natürlich gleich in den Sinn, meine digitale Spiegelreflexkamera hierfür zu ‘missbrauchen’.
Ich möchte vorweg erwähnen, dass diese Idee viele andere vor mir bereits hatten und dass die digitalen Resultate in keiner Weise mit dem Charme analoger Lochkamerabilder konkurrieren können, was vor allem an der begrenzten Belichtungszeit (30 Sekunden bei meiner Pentax) und der Sensorgröße liegt.

Aber weil die Bastelei so einfach ist, lohnt sich das Experiment in jedem Fall:

Man nehme eine digitale SLR, einen schwarzen (ausgedienten!) Verschlussdeckel für das Kameragehäuse, etwas schwarzes Klebeband, stabile Alufolie (z.B. Grillfolie) und eine möglichst kleine Nähnadel.

Exakt in die Mitte des Verschlussdeckels bohren wir mit der Bohrmaschine ein Loch von etwa 5 mm Durchmesser. Anschließend muss der Deckel sorgfältig(!) gereinigt werden, damit später keine Bohrrückstände ins Kamerainnere geraten.  Als nächstes befestigen wir mit zwei Stückchen des schwarzen Klebebands etwas Alufolie auf der Innenseite des Deckels. Die Alufolie muss sich direkt über dem Loch befinden; es darf kein Licht seitlich einfallen.

Mit der Nadel stechen wir nun von der Innenseite des Deckels her ein winzig kleines Loch in die Mitte der Alufolie. Das Loch sollte ungefähr 0,2 mm Durchmesser besitzen, um ein möglichst scharfes Bild zu erhalten. Da die Schieblehre aus der heimischen Werkzeugkiste für derart kleine Maße ungeeignet ist, kommt man um eine Versuchsreihe mit verschieden großen Nadelstichen nicht herum.

Hat man erst einmal die richtige Lochgröße ermittelt (Brennweite/Lochdurchmesser= Blende, f 200 – f250) , steht dem Einsatz der digitalen Lochkamera nichts mehr im Wege. Hierzu setzten wir die Kamera auf ein Stativ und wählen im manuellen Modus  je nach Lochgröße und Umgebungshelligkeit eine Belichtungszeit von 1 bis 30 Sekunden. Bei Lochgrößen von etwa 0,2 mm lässt sich das Motiv durch den Sucher nur noch bei Sonnenschein schemenhaft erkennen, ansonsten wird eben blind anvisiert, was die Sache noch spannender macht.

Hier meine  ersten Ergebnisse . Weitere Experimente werden mit Sicherheit folgen.

Eines noch: Eine digitale Lochkamera eignet sich hervorragend, um lästigen Staub auf dem Sensor zu lokalisieren. Durch die extremen Blendenwerte kommen auch noch so kleine Staubpartikel auf der Sensoroberfläche gnadenlos zum Vorschein (s. Beispielbilder oben).

Weiterführendes:

1 Kommentar zu Digitale Spiegelreflexkamera als Lochkamera

Lensbaby Composer – ein schwieriges Kind

09. April 2009 - 7:21 pm

Pommes rot-weiss Es ist ein schwieriges Kind, aber ich mag das Lensbaby. In wie weit diese Zuneigung von einseitiger Natur ist, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Ich habe mein Lensbaby Composer erst seit einigen Tagen und kann schon jetzt sagen, die Arbeit mit dem Baby ist gewöhnungsbedürftig  und erfordert Übung,  Übung und nochmals Übung, um halbwegs brauchbare Ergebnisse zu erzielen.
Für herausragende Ergebnisse sollte man zudem ein gutes Gefühl für Perspektiven, Entfernungen und geeignete Motive mitbringen.

Der typische Lensbaby-Effekt basiert auf dem Tilt-Shift-Prinzip. Ein begrenzter Punkt im Bild wird scharf, der Rest soll in Unschärfe verschwimmen. Somit ist die eigentliche Herausforderung das Fokussieren und das Setzen des sog. “Sweet Spot“.

Auf den Festplatten stapelt sich anfangs reichlich Ausschuss, so richtige Freude am “Nachwuchs” stellt sich nur zögerlich ein.  Ob die Fotowelt das Tilt-Shift-Objektiv des armen Mannes wirklich braucht, bleibt offen. Schärfegurus und Pixelfetischisten werden beim Anblick der Ergebnisse vermutlich verständnislos den Kopf schütteln.

Dennoch: Hat man an dem zickigen Ding erst einmal Feuer gefangen, möchte man sein Lensbaby nicht mehr missen. So geht es mir zumindest.

Hier einige Beispielbilder, die ich mit dem Lensbaby Composer an der Pentax K20D aufgenommen habe:

Weiterführendes:

2 Kommentare zu Lensbaby Composer - ein schwieriges Kind

Top